An Magento Commerce kommt man derzeit kaum vorbei, wenn es um das Thema „Shopsoftware“ geht. Hier sollten man jedcoch ein paar Dinge im Vorfeld unbedingt beachten. Magento ist definitiv eine der besten, derzeit verfügbaren eCommerce-Lösungen. Allerdings sollte man hier im Vorfeld einige Fragestellungen unbedingt kritisch betrachten um hier nicht massive Enttäuschungen zu erleben.
Daher haben wir fünf Fragen aufgestellt, deren Beantwortung entscheidet, ob Magento die richtige Wahl für Sie ist.
1. Haben Sie sich im Vorfeld intensiv mit Ihrem zukünftigen Shop beschäftigt und ein erstes Konzept/Pflichtenheft erstellt?
Das Ganze mag etwas hochtrabend klingen, in der Praxis stelle ich jedoch immer wieder fest, dass sehr häufig nach einem Magento-Shop angefragt wird und die zukünftigen Shopbetreiber im Prinzip eigentlich „nur wissen“, dass sie einen (neuen) Online-Shop haben möchte, der dann idealerweise auch gleich bei Google top-platziert ist und ganz schnell ganz viel Geld abwirft.
Gerade der konzeptionelle Teil, sollte bei Magento Commerce nicht unterschätzt werden. Je detaillierter ich mir im Vorfeld Gedanken mache, desto leichter ist es für eine Agentur – oder auch für den Shopbetreiber selbst, die tatsächlichen Kosten abzuschätzen und natürlich auch von Beginn an, die notwendigen Hebel und Stellschrauben in die passende Richtung zu bewegen.
Dabei sollten u.a. folgende Fragen geklärt werden:
- Wer ist meine Hauptzielgruppe und wer sind meine Wettbewerber?
- Welche Art von Produkten wird verkauft (vgl. Simple Product vs. Configurabe Product)?
- Wieviele Produkte sollen im Shop angeboten werden
- Sind bestimmte Sonderfälle, Bundles etc. denkbar?
- Gibt es unterschiedliche Kundengruppen und wenn ja, wie unterscheiden sich diese?
- Welche Zahlungsmethoden sollen verfügbar sein?
- Wie sieht es mit Versandkosten aus? Gibt es hier Sonderfälle?
- Welche Lieferländer sind angedacht?
- Gibt es bereits einen Shop aus dem Produkte übernommen werden (müssen)?
- Werden Schnittstellen benötigt und wenn ja zu welchen externen Systemen (z.B. WaWi)?
- Reichen die Magento-Standard-Features aus oder werden zusätzliche Funktionen bzw. Magento-Extensions benötigt?
- usw.
Die Aufstellung soll dabei lediglich als erster Einstieg und Orientierung dienen. Wenn man sich intensiver mit dem Thema beschäftigt, wir die Liste mit Sicherheit noch deutlich länger....
2. Welches Budget steht zur Verfügung?
In unserem Blogbeitrag „Was kostet ein Magento-Shop“ haben wir die Thematik bereits grundlegend beleuchtet. Magento Commerce gehört mit Sicherheit zu den besten eCommerce-Lösungen, die derzeit auf dem Markt sind und Magento ist auch noch als Open Source Version verfügbar. Leider setzen viele Shopbetreiber den Begriff „Open Source“ mit umsonst gleich, was mitunter ein vollkommender Trugschluss sein kann.
Magento ist relativ komplex und bei der Implementierung dadurch auch zeitintensiver, als diverse andere Shop-Systeme. Dies hat zur Folge, dass ein Magento-Shop – sofern er vernünftig umgesetzt wird – auch einiges an Aufwand bedeutet. Als grobe Richtlinien kann man hier – wie in unserem Artikel zu den Magento-Kosten bereits angedeutet – von einer Größenordnung ab EUR 5.000.- ausgehen.
Wer sich noch nicht sicher ist, ob ein Online-Shop für ihn das richtige ist und hier erstmal etwas „schnuppern“ möchte, sollte sich daher den Einsatz von Magento gut überlegen. Der Initialaufwand und auch die Hardwareanforderungen sind hier definitiv höher als bei anderen Systemen, so dass man das Thema Budget in jedem Fall kritisch hinterfragen sollte. Ein „Quick & Dirty Magento“ kostet auch Geld und wird kaum weiterhelfen. Daher gilt im Zweifelsfall die Empfehlung: Entweder ganz oder gar nicht – so hart dies auf den ersten Blick auch klingen mag....
3. Welche Programmiererfahrung haben Sie als Shopbetreiber bzw. über welche Erfahrungen verfügt Ihr Dienstleister?
Während man bei diversen anderen Shopsystemen mit einigen grundlegenden PHP-Kenntnissen sowie etwas IT- und Internet-Erfahrung schon relativ weit kommen kann, sieht die Welt bei Magento Commerce wieder etwas anders aus. Mal schnell irgendwas anzupassen oder zu erweitern funktioniert hier definitiv nicht. Dies liegt im wesentlichen an der sehr flexiblen aber auch komplexen Software-Architektur, die auf dem ZEND-Framework basiert.
Johannes Teitge hat hierzu einen sehr interessanten und treffenden Artikel mit dem Titel „Magento Basiswissen“ veröffentlicht, indem er auf das für Magento nötige Know-How näher eingeht. Hierzu nur soviel: Das Ganze ist deutlich umfangreicher als Basis HTML, CSS und PHP.
Wenn sie dieses Wissen selbst nicht mitbringen gibt es nur zwei Optionen. Sie beißen die Zähne zusammen und arbeiten sich selbst in die Materie ein. Hierzu sollten sie dann allerdings definitiv einiges an Zeit einplanen. Die zweite Option wäre es, einen erfahrenen Dienstleister zu Rate zu ziehen. Die Betonung liegt hierbei allerdings ganz klar auf dem Begriff „erfahren“. Hierzu empfiehlt es sich daher in jedem Fall, Referenzen einzuholen. Nur wer bereits erfolgreich Magento-Projekte realisiert hat, kann hier ehrlich mitreden und die diversen Problemchen und Stolpersteine beim Einsatz von Magento auch sicher „umschiffen“.
Nochmals in aller Deutlichkeit: Magento ist eine sehr gute Shop-Software, unterschätzen sie jedoch in keinem Fall die Komplexität des Systems!
4. Wieviel ist Ihnen das Hosting und die Optimierung wert?
Anfangs hatte Magento den Ruf nicht besonders flott zu sein. Dies hatte zwei Ursachen: Zum einen war es in der Tat so, dass die erste Version von Magento noch an diversen Kinderkrankheiten litt und das Thema Magento-Performance noch einiger Verbesserungen bedurfte. Zum anderen war es jedoch auch so, dass die kritischen Stimmen insbesondere von Leuten kamen, die Magento mit dem sehr schlanken osCommerce verglichen und die Software auf kleinen Shared-Hosting-Paketen einsetzen wollten.
Inzwischen hat Varien hier deutlich nachgebessert und softwareseitig signifikante Performence-Zuwächse erreicht, die in den aktuellen Magento-Versionen auch deutlich spürbar sind. Zusätzlich hat sich inzwischen auch rumgesprochen, dass Magento – bedingt durch die Software-Architektur – einfach mehr Hardware benötigt. Daher haben mittlerweile diverse Hosting-Anbieter reagiert und spezielle Magento-Hosting-Pakete geschnürt.
Wenn man jedoch von einem etwas umfangreicheren Shop mit mehrere Tausend Produkten (oder mehr) sowie etwas Traffic ausgeht, empfiehlt es sich, einen eigenen Server an den Start zu schicken und diesen durch einen erfahrenen Systemadministrator speziell für den Einsatz von Magento nochmals optimieren zu lassen. Als grobe Orientierung kann man hier von einem Preisrahmen für das Hosting ab monatlich ca. EUR 100.- ausgehen. Hinzu kommen dann sicherlich – je nach Umfang des Shops – noch einige Stunden für serverseitige Optimierungsmaßnahmen sowie ggf. auch einige Anpassungen auf Softwareseite.
5. Wie ernst ist Ihnen ihr Shop-Projekt und welchen Zeithorizont haben sie sich gesetzt?
Diese Punkt fasst im Prinzip alles vorher gesagte nochmals zusammen. Wer mit der Einstellung „Jetzt machen wir mal schnell einen Online-Shop und sehen was passiert“ an die Sache ran geht, wird aller Wahrscheinlichkeit nach bereits sehr früh scheitern.
Bei Magento sollten mehrere Komponenten unbedingt ineinander greifen:
- Klare Vorstellungen sowie eine darauf abgestimmte längerfristige Strategie mit entsprechender Fokusierung
- Ein ausreichender Zeithorizont, der auch erste Rückschläge sowie einen langsameren Anlauf verkraftet
- Ein realistisches Budget.
- Umfangreiche Erfahrung bzw. einen erfahrenen Dienstleister
- Geduld, Geduld und nochmals Geduld
Gerade für Neueinsteiger sollte man in jedem Fall eine Startphase von mindestens 12 Monaten einkalkulieren, bevor man hier echte Tendenzen oder Rückschlüsse ableiten kann. In dieser Zeit sollte man sich natürlich permanent mit seinem Shop-Projekt beschäftigen, testen, optimieren und wieder testen. Wer hier keinen längeren Atem einkalkuliert bzw. sich dies nicht leisten kann sollte seine Entscheidung nochmals überdenken – insbesondere wenn Magento eingesetzt wird.
Wie heißt es doch schon: Gut Ding will Weile haben!
Sie haben all diese Fragen positiv beantworten können? Worauf warten Sie dann noch - ihr neuer Magento-Shop wartet auf die Umsetzung.... ;-)
Noch etwas: Wenn Sie jetzt auf der Suche nach einem passenden Dienstleister sind oder eine Magento-Agentur weiterempfehlen können, hilft Ihnen dieser Beitrag möglicherweise weiter....

6 Kommentare:
Sehr richtig beobachtet, der Artikel spricht mir aus der Seele. Einziger Nachteil: Die Leute, die's betrifft lesen leider solche Beiträge höchst selten. Wollen wir aber die Hoffnung nicht aufgeben ;-)
Hallo Roman, danke für die Unterstützung. Ich geb die Hoffnung nicht auf, dass solche Beiträge doch irgendwann von den entsprechenden Leuten gelesen werden....;-)
Es ärgert mich dann doch ziemlich das solche für jedes Shopprojekt, egal welcher Größenordnung, zu stellenden Fragen exklusiv für Magento Shops vereinnahmt werden!
Das ist ein Artikel den man (bis auf die spärlich vorhandenen Magento Spezifika) überall so posten könnte.
Und Fragen die jedes seriöse Unternehmen Ihren Kunden vor Beginn eines Shopprojektes stellt!
@H.P.: Solche Fragen sollten - in ähnlicher Form - natürlich auch bei anderen Shopsystemen gestellt werden, ich hab sie bislang aber so nirgends gesehen und daher auf Magento angewendet, da diese Punkte hier besonders schwer zum tragen kommen.
Aber wenn wir schon beim ärgern sind. Mich ärgert, wenn man - auf sehr vielen Blogs und Portalen zum Thema eCommerce immer wieder solche Kommentare mit Link auf "Ihre" Software Lösung findet. Blogkommentare sollten Mehrwert bieten und nicht zu Werbezwecken bzw. zum Linkbuilding verwendet werden!!!
Daher hier ganz offiziell: Ein weiteres Shopsystem steht unter http://www.my-warehouse.de zur Verfügung. Wer Interesse hat kann das gerne testen!
Oje, Link ist Standardeinstellung, kannste auch gern entfernen, steht eh auf nofollow nehme ich mal an.
Selbstverständlich stellen wir diese Fragen unseren Shopbetreibern, jeder Shopanbieter sollte das tun!
Ich finde es erfreulich auch einmal anderenorts eine kritsche, aber ehrliche Auseinandersetzung über Magento lesen zu können. Ich habe diesen Blogeintrag als Querverweis bei mir eingetragen.
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