Die Shopsoftware Magento gehört inzwischen zur Benchmark im Bereich der Open Source Shopsysteme. Dabei hat sich Magento enorm dynamisch entwickelt und ein Ende ist nicht in Sicht.
Als im Sommer 2007 die ersten Anzeichen einer neuen eCommerce-Plattform zu hören waren, war – und hier kann ich nur für uns bzw. den deutschen Markt sprechen – das Interesse bereits zu Beginn sehr groß. Selbst ohne anfangs genauere Infos über das Produkt zu haben. Die bisherigen Open Source Lösungen im eCommerce-Segment hatten (allem Anschein nach) einfach zu vielen Macken, waren wenig flexibel und teilweise schlicht und ergreifend in die Jahre gekommen.
Im September 2007 konnte man dann erstmals einen Blick auf die erste Alpha-Version der Magento genannten Shopsoftware werfen. Dabei waren die ersten Reaktion größtenteils überschwänglich: Der neue Star im Bereich Open Source eCommerce Software war anscheinend geboren. Wenngleich sich bereits zu Beginn erste kritische Stimme erhoben und die Komplexität bzw. insbesondere die Performance bemängelt, die – bedingt durch die Software-Architektur – Anfangs in der Tat alles andere als berauschend war.
Varien kündigte dann zum Jahresende 2007 an, dass am 31.03.2008 das erste Stable-Release von Magento verfügbar sein wird. Ob diese Ankündigung richtig oder falsch war lässt sich im Nachhinein kaum mehr beurteilen. Fakt war und ist jedoch, dass die Nachfrage bzw. der Hype nach Magento dadurch erst Recht angefacht wurden. In einem Gespräch mit Roy Rubin vor gut einem Jahr war seine Aussage hierzu dann auch durchaus ehrlich, dass die letzten Wochen vor dem Release extrem waren und die Zeit hier fast ausschließlich im Büro verbracht wurde um den Termin halten zu können. Der Termin wurde auch gehalten und der Siegeszug von Magento begann jetzt richtig.
War bereits die Nachfrage nach den Beta-Versionen sehr groß, so kam mit der Veröffentlichung von V1 nochmals richtiger Schwung „in die Bude“. Anfangs hatten die Software – was auch nicht anders zu erwarten war – doch noch mit einigen Kinderkrankheiten zu kämpfen, doch das Varien-Team arbeitete unbeirrt an der Verbesserung von Magento und „stampfte“ gerade in der Anfangsphase mit enormer Schlagzahl neue Releases mit Bugfixes und Verbesserungen aus dem Boden. Insbesondere das Thema Performance, das Anfangs einer der Hauptkritikpunkte war, wurde mit großem Nachdruck angegangen, so dass hier mit den folgenden Releases signifikante Verbesserungen erreicht werden konnte und hinter das Thema Geschwindigkeit ein Haken gesetzt werden konnte. Zu beachten ist hierbei jedoch immer, dass Magento aufgrund des gewählten Programmieransatzes nie die Performance eines OSCommerce erreichen wird, da hier einfach ein gewisser „Overhead“ mitläuft. Bei vernünftiger Hardware und entsprechender, softwareseitiger Optimierung lassen sich inzwischen jedoch durchaus sehr gute Performancewerte erzielen.
Magento war ja immer als Open Source Projekt angelegt. Anfang sah das Geschäftsmodell von Varien noch vor, dass der nötige Umsatz über Support und Consultingleistungen erbracht werden sollte. Hier musste man in der Praxis jedoch recht schnell feststellen, dass der Markt zwar nach einer deartigen Open Source Lösung geradezu gelechzt hatte, jedoch nur bedingte Bereitschaft zur Zahlung für Support- und Consulting-Leistungen vorhanden war. In jedem Falle nicht genug, um die finanzielle Absicherung von Varien zu gewährleisten. Dies war sicherlich mit ein Grund, warum man sich im Frühjahr 2009 entschloss mit Magento Enterprise eine kostenpflichtige Version zu starten, die sich von der kostenlosen Community Edition durch erweiterten Funktionsumfang und umfangreiche Support- und Garantieleistungen unterscheidet.
Ausgangsbasis bildet dabei nach wie vor die Open Source Version, die im Falle der Enterprise-Version dann jedoch „aufgebohrt“ wird.
Mit Bekanntwerden dieses Ansatzes gab es Anfangs natürlich durchaus kritische Stimmen, die vermuteten, dass dies das Ende des Open Source Ansatzes sei und Varien jetzt ins Lager der Anbieter von proprietärer Software wechselt. Dies hat sich bislang jedoch als unbegründet erwiesen. Und Roy Rubin hat erst in einem kürzlichen Interview wieder die Bedeutung des Open Source Ansatzes unterstrichen und darauf hingewiesen, dass Varien und das Geschäftsmodell dahinter, auf diesem Ansatz aufbauen.
Um den Open Source und Community Gedanken auch weiterhin voran zu treiben (von dem Varien in der Folge natürlich auch nur profitieren kann) wurde im Frühjahr 2009 das sog. CAB (Community Advisory Board) eingeführt. Hierbei handelt es sich um ein Gremium aus Magento Community Manager, Mitarbeitern von Varien und eCommerce Experten, die die Anforderungen der Community bewerten, abgleichen und entsprechende Maßnahmen (insbesondere im Bereich Weiterentwicklung) ergreifen. Zugleich wird versucht, den direkten Kontakt zur Community zu suchen um möglichst nah am Puls der Zeit zu sein und so möglichst zielgerichtet auf die Anforderungen der Community reagieren zu können. Wen´s interessiert hier die Termine für die CAB-Meetings 2010:
19. April
17. Mai
21. Juni
19. Juli
23. August
20. September
18. Oktober
22. November
20. Dezember
An diesen Terminen werden dann die jeweiligen Tagesordnungspunkte diskutiert, die von den CAB-Mitglieder bzw. von den Community-Mitglieder an die CAB-Mitglieder weitergegeben wurden. Im Anschluss wird das CAB für alle interessierten geöffnet um in direkten Kontakt mit den Entscheidern treten zu können.
Einen Beitrag über Ergebnisses des letzten CAB findet man man im offiziellen Magento-Blog.
Mitte März 2010 platzte dann eine (positive) Bombe. Varien verkündete eine Finanzspritze von 22,5 Mio. Dollar. Mit diesem Budget im Rücken, möchte man zukünftig versuchen, die Marktposition von Magento weiter auszubauen wobei, hier bereits diverse Ideen und Ansätze durchs Web „geistern“. So hört man hier immer wieder die Themen Mobile Commerce, SAAS und Schulungen/Training.
In einem kürzlichen Interview erklärte der frühere MySpace Product Manager Tim Schulz, der inzwischen als Magento Senior Product Manager maßgeblich für die Weiterentwicklung der Shopsoftware zuständig ist, dass man sich in den Wachstumsbereichen des eCommerce positionieren und so zur größten eCommerce Plattform weltweit aufsteigen möchte.
Mit der oben genannten Finanzspritze, dürfte zumindest ein erster Schritt dazu getan sein. Wer hier als Geldgeber fungiert, wurde offiziell nicht genannt. Aufgrund der Vergangenheit und diversen Aussagen von Roy Rubin ist hier einer der heißesten Kandidaten jedoch PayPal. Varien kooperiert hier bereits seit den Anfängen und erst kürzlich wurde von beiden Seiten unterstrichen, dass man die Zusammenarbeit künftig weiter intensivieren möchte um PayPal mit Hilfe von Magento einem noch breiteren Zielpublikum näher bringen zu können. Darüber hinaus wurde bekannt gegeben, dass man im Bereich der Produktentwicklung zukünftig ebenfalls noch enger zusammenarbeiten möchte.
Das Ganze kann natürlich durchaus als Win-Win-Situation betrachtet werden. Varien profitiert von einer noch besseren Payment-Integration (sowie einer entsprechenden Finanzspritze) und PayPal erhält direkten Zugang zu einer sehr großen Anzahl potentieller Kunden. Bingo!
Spannend bleibt es auch im Bereich der Extensions. Magento hat mit Magento Connect zwar einen Marktplatz mit ca. 2.000 Extensions in der Tasche, das Ganze kämpft jedoch seit dem Start noch mit etlichen Kinderkrankheiten. So wurde in der Vergangenheit bereits sehr häufig das Thema Übersichtlichkeit und Kategorisierung angesprochen. Zudem fällt die Installation von kostenpflichtigen Modulen im Moment doch noch etwas umständlich aus, da Magento Connect hier lediglich als eine Art Schaufenster dient, aus dem dann an die jeweiligen Anbieter verlinkt wird. Hier arbeitet Varien nach eigenen Aussagen derzeit an einer neuen Version – Magento Connect 2.0. Wann diese Version verfügbar ist und mit welchen Features man hier rechnen kann, darüber lässt sich derzeit jedoch nur spekulieren. Das Thema dürfte für Varien jedoch (auch strategisch) durchaus seine Wichtigkeit haben.
Insofern bin ich wieder mal auf die Entwicklung in den nächsten Monate gespannt. Eines kann man inzwischen jedoch felsenfest behaupten. Magento ist ein fixer Bestandteil im weltweiten eCommerce geworden, dessen Position sich – trotz einige Unkenrufe in der Anfangszeit – stetig verbessert und ausgeweitet hat. Als Shopbetreiber setzt man – entsprechendes Budget und Ernsthaftigkeit vorausgesetzt - mit Magento daher mit großer Wahrscheinlichkeit auf das richtige Pferd!
Sonntag, 28. März 2010
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1 Kommentare:
Es ist wirklich erstaunlich, welche Entwicklung Magento durchgemacht hat. Wir haben Magento selber im Einsatz und sind durchaus zufrieden, wie einfach und schnell (einen potenten Server vorausgesetzt) die Bedienung im laufenden Betrieb ist.
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