Der nachfolgende Beitrag müsste aus aktuellem Anlass für alle Shopbetreiber von Interesse sein. Datenschutz ist in 2010 eines DER Rechtsthemen im Web. Nicht erst seit der inzwischen bereits länger andauernden Diskussion über den Einsatz von Google Analytics, hört man hier immer wieder aller Hand – zum Teil etwas abenteuerliches, teils halbgegorene Aussagen und auch immer wieder schlichtweg falsche Behauptungen. Mit anderen Worten: Es herrscht hier in vielen Fällen solides Halbwissen, was sowohl für „normalen“ Webseitenbetreiber als auch insbesondere Shopbetreiber durchaus böse Überraschungen zur Folge haben kann.
Der auf IT-Recht spezialisierte Fachanwalt Stephan Hansen-Oest, der als akkreditierter Sachverständiger für Datenschutzrecht bundesweit Unternehmen berät, hat sich diesen Umstand zu nutze gemacht und einen kostenlosen Online-Kurs zum Thema Datenschutz 2010 – Machen Sie ihr Unternehmen fit ins Web gestellt.
Der Kurs läuft seit mitte März und umfasst ca. 15 Lektionen, die anhand von anschaulichen Beispielen, Muster-Dokumenten und Videos eine sehr gute Wissensbasis für das heiße Thema Datenschutz darstellen.
Wir haben mit Stephan Hansen-Oest gesprochen und ihn zu den Hintergründen und ersten Erfahrungen mit seinem Online-Kurs befragt:
Webshopnews: Wie kommt man auf die Idee einen Online-Kurs zum Thema Datenschutz ins Netz zu stellen?
Hansen-Oest: Ich berate seit mittlerweile gut acht Jahren schwerpunktmäßig Unternehmen bei der Bewältigung der Anforderungen des Datenschutzes. Im Laufe der Jahre hat sich der Schwerpunkt Datenschutzrecht immer mehr verfestigt, was auch mit meinen Gutachtertätigkeiten für das "European Privacy Seal" und das Datenschutz-Gütesiegel des Unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz Schleswig-Holstein (ULD) zusammenhängt.
Seit Mitte 2009 ist die Nachfrage nach Datenschutz explodiert. Ich musste viele Mandate ablehnen bzw. Mandate sortieren. Das ist natürlich ein Luxusproblem und hat den Vorteil, dass man sich die Rosinen an Aufträgen herauspicken könnte. Ich stand schon mehrfach vor der Entscheidung, die Kanzlei zu vergrößern und Kollegen hinzuzunehmen. Das kam aber auch jetzt wieder nicht in Betracht. Ich bin überzeugter Freelancer und habe mich schon vor einigen Jahren bewusst zu einem Weggang aus einer Kanzlei (in der ich mich sonst sehr wohl gefühlt habe) entschieden, um ein komplett "eigenes Ding" als Anwalt zu machen: ohne Entscheidungsketten, Abstimmungen etc. - eben ein Schnellboot und kein Tanker.
Mein Schwerpunkt meiner Tätigkeit ist es, exzellente Arbeit im Bereich des Datenschutzes zu „modellieren“. Das bedeutet, dass ich herausragende Lösungen für Herausforderungen analysiere und versuche daraus Regeln oder Handlungsempfehlungen abzuleiten. Mit all den Jahren hat sich daraus ein recht guter Fundus an Erfahrungen und vor allem Lösungen gebildet, den man auch leicht weitertragen kann.
Zwei Wochen vor meinem Geburtstag habe ich mir überlegt, dass ich zur Abwechslung mal etwas "schenken" könnte. Sozusagen "Reverse Beschenkung" - also Geschenke zum Geburtstag geben, statt zu bekommen. Meine Überlegung: wenn ich schon nicht alle Anfragen/Mandate zum Datenschutz übernehmen kann, dann könnte ich zumindest den Unternehmen oder Interessierten da draußen etwas geben, z.B. etwas von meiner Erfahrung.
Tja....und das ist jetzt das Ergebnis. Und ich bin ein bisschen stolz darauf.
Webshopnews: Die Erstellung eines solchen Kurses ist ja doch recht zeitaufwändig. Wieviel Zeit hat das Projekt bis zum offiziellen Start denn in Anspruch genommen.
Hansen-Oest: Der Zeitaufwand ist sicher nicht unerheblich. Pro Folge gehen schon mehrere Stunden ins Land. Vorbereitung, Dreh, Bearbeitung etc.
Da ich das Ganze aber nicht als Arbeit, sondern als Spaß betrachte, ist der Zeitaufwand letztlich nicht entscheidend. Und ich mache mir nichts vor....auch ich lerne bei der Vorbereitung der Lektionen und Interviews dazu. Das Wissen wird vertieft, Lernmethoden überdacht, und davon profitiere ich letztlich auch wieder.
Webshopnews: Nach welchen Kriterien erfolgte denn die Themenauswahl bzw. die Auswahl der Inhalte? Was erwartet einen Kursteilnehmer?
Hansen-Oest: Die Auswahl der Themen erfolgt zunächst anhand meiner Erfahrungen über Probleme, die bei den meisten Unternehmen in der Praxis bestehen und behoben werden können.
Zweiter Auswahlaspekt ist die Orientierung an drei Modellunternehmen, anhand derer die typischen Fallgestaltungen exemplarisch dargestellt werden:
- die Web-Agentur mit 15-20 Mitarbeitern und externen Freelancern
- ein Dienstleistungsunternehmen mit 150-200 Mitarbeitern und Betriebsrat
- ein internationaler Konzern mit deutscher Niederlassung und amerikanischer Konzernmutter
Jede dieser drei Fallgruppen hat seine eigenen typischen Probleme, die nach meiner Erfahrung auf mindestens 80% aller Unternehmen in Deutschland zutreffen.
Webshopnews: Wie wird das in unseren Augen sehr interessante Angebot promotet und wie sind die ersten Reaktionen? Gibt es auch negative Stimmen (z.B. von der „Konkurrenz“).
Hansen-Oest: Bis jetzt gab es glücklicherweise nur positives Feedback (und nur einen „Unsubscribe“). Art und Weise der Darstellung mögen nicht jedermanns Sache sein, aber viele finden die Inhalte authentisch vorgetragen. Genau das möchte ich auch bezwecken.
Webshopnews: Einen kostenlosen Kurs, der doch einiges an Zeit verschlungen hat macht man vermutlich nicht aus langer Weile.... Welche mittel- und langfristigen Ziele werden hier angepeilt?
Hansen-Oest: Natürlich wird mir die Frage gestellt, warum ich das mache. Einfach so wertvolle Informationen weggeben? Ist das nicht wirtschaftlich unsinnig? Und so weiter...
Ich tue das aus zwei Gründen.
Der erste Grund ist tatsächlich selbstlos: ich meine, dass sehr viele Unternehmen sehr viel besser im Datenschutz da stehen würden, wenn sie auch nur einen Teil von Maßnahmen einführen würden bzw. Berührungsängste zu Datenschutz-Themen (z.B. die Dokumentation) verlieren. Machen wir uns nichts vor. In vielen Unternehmen ist die Datenschutz-Situation nicht gut. Der Begriff "suboptimal" ist da noch geschmeichelt. Man muss aber kein Datenschutz-Experte sein, um gute Basis-Arbeit bei der Umsetzung im Unternehmen zu leisten. Jeder kann dazu beitragen, dass - wenn auch nur nach und nach - etwas mehr Datenschutz ins Unternehmen kommt. Das ist ähnlich wie im Umweltschutz. Wir haben alle etwas davon, wenn Unternehmen mehr für den Umweltschutz tun. Mit klassischem Grundrechtsschutz ist das ähnlich.
Der zweite Grund ist ein wirtschaftlicher: Ich glaube fest daran, dass derjenige, der gibt, auch immer etwas zurück bekommt.
Ich kann schon aus Zeitgründen nicht jedes kleinere Datenschutz-Problem von Unternehmen lösen. Meine Informationen sollen die Unternehmen oder auch die Berater der Unternehmen dabei unterstützen, kleinere Probleme selbst lösen zu können.
Wenn meine Informationen gut genug und überzeugend waren, kommen dann die Unternehmen nicht vielleicht mit den "größeren Fischen" - also umsatzträchtigeren Anfragen zu mir? Sicherlich nicht alle, aber vielleicht ein oder zwei oder drei....das ist jedenfalls meine Annahme.
Ich bin außerdem der festen Überzeugung, dass der Markt für Nachfrage im Datenschutz groß genug für alle Berater ist. Es gibt keinen Grund, Informationen zurückzuhalten. Diese Art Geschäftsmodell ist in der heutigen Informations- und Reputationsgesellschaft meiner Meinung nach überholt. Es ist für uns Datenschutz-Berater genug für alle da. Nur muss jeder Topf seinen Deckel finden.
Webshopnews: Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg mit dem Kurs.
Und hier noch ein Video zur Einstimmung....
Datenschutz 2010 - Machen Sie ihr Unternehmen fit! from Stephan Hansen-Oest on Vimeo.

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